Unternehmerische Verantwortung für die Natur: Tierfreundliche Gestaltung des Firmengeländes
Betriebsgelände bieten viele Möglichkeiten, gezielt Lebensräume für Tiere zu schaffen. Mit relativ geringem Aufwand lassen sich durch Nistkästen für Vögel und Fledermäuse, Insektenhotels, Steinhaufen, Totholzecken oder kleine Teiche strukturreiche Habitate realisieren. Solche Elemente ergänzen die möglicherweise bereits umgesetzte naturnahe Begrünung (Naturnahe Gestaltung und Bewirtschaftung von Grünflächen) und erhöhen die ökologische Vielfalt auf dem Gelände deutlich.
Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Erhaltung von Arten bei, sondern steigern auch die ökologische Vernetzung im Siedlungsraum, indem sie neue Lebensräume („Trittsteinbiotope“) schaffen. Besonders wertvoll sind Maßnahmen, die an die örtlichen Gegebenheiten und an die Bedingungen für die lokale Fauna angepasst sind.
Maßnahmen zugunsten der Tierwelt haben weiteren Mehrwert: Sie stärken das Unternehmensprofil, verbessern die Wahrnehmung bei Kunden und erhöhen womöglich auch die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitsplatz.
Im Folgenden werden die wichtigsten Schritte und Aspekte beschrieben, die bei der Planung und Umsetzung zu berücksichtigen sind.
Analyse der Ziele und Bedürfnisse sowie Inventar der Flächen mit Potenztial für eine tierfreundliche Gestaltung
Was sind meine konkreten Ziele? Möchte ich eine Verbesserung der Situation für lediglich eine Art oder Artengruppe oder geht es um die Schaffung eines multifunktionalen Trittsteinbiotops?
Welche Flächen stehen auf dem Betriebsgelände grundsätzlich für die Maßnahmenumsetzung zur Verfügung?
Gibt es am Standort bereits Tierarten, die gefördert werden können?
Welche Nisthilfen oder Rückzugsorte sind in meinem Fall sinnvoll?
Identifizierung möglicher Lösungen
Identifizierung der lokal möglicherweise förderbaren Artengruppen (Insekten, Vögel, Kleinsäuger, Fledermäuse) und deren Bedürfnisse.
Analyse der Geländestrukturen und deren Nutzbarkeit in Bezug auf spezifische Arten (z.B. Mauern, Versickerungsrinnen, Erdwälle).
Klären Sie, ob Sie die Realisierung mit Ihren Mitarbeitern selbst umsetzen können oder wollen (z.B. Teambuilding, Naturerlebnis) oder, ob es im vorliegenden Fall sinnvoller ist, einen qualifizierten Betrieb damit zu beauftragen oder einen Berater (z.B. Naturschutzsyndikat oder Naturpark) hinzuzuziehen.
Wie lassen sich die Maßnahmen mit der Gebäudestruktur oder den existierenden Grünflächen kombinieren?
Wer übernimmt Kontrolle und Pflege der Maßnahmen?
Können Kooperationen mit lokalen Naturschutz-Organisationen einen Mehrwert schaffen?
Beratung, Unterstützung und Beantragung möglicher Beihilfen
Kontaktieren Sie lokale oder nationale Institutionen, die Sie fachlich beraten können
Naturpakt – Kooperationen mit der Gemeinde möglich!
Sofern sich Ihre lokale Gemeinde beim Naturpakt engagiert, können Sie in Kooperation mit der Gemeinde Maßnahmen auf ihrem Unternehmensareal umsetzen, von der die Gemeinde profitiert! Konkret geht es um anrechenbare Pflanzungen (Naturnahe Gestaltung und Bewirtschaftung von Grünflächen) und die Bereitstellung von Nistmöglichkeiten für Wildtiere. Sprechen Sie den Naturpakt-Berater der Gemeinde an.
Umsetzung des Projektes
Generelle Hinweise
Große Teile dieses Maßnahmenpaketes sind selbst leistbar, sei es Bau und Ausbringung von Vogel-Nistkästen, das Bereitstellen von Vogel-Trinkstellen oder das Aufstellen von Insektenhotels. Geländeveränderungen oder Baumaßnahmen übersteigen meist die eigenen Kapazitäten. Lassen Sie sich beraten, holen Sie Kostenvoranschläge bei qualifizierten Landschaftsplanungsbüros, Landschaftsgärtnern oder Gärtnereibetrieben ein.
Grundsätzlich gilt:
Bieten Sie das Maximum an Lebensraumvielfalt an (je höher das Strukturangebot, desto höher die Zahl ökologischer Nischen und die Zahl der Arten und Individuen, die sich dort ansiedeln können).
Verwenden Sie regionale Naturmaterialen.
Prüfen Sie den möglichen Pflegebedarf der vorgesehenen Elemente (z.B. Reinigung von Nistkästen und Fledermausquartieren).
Vögel
Vogelkasten ist nicht gleich Vogelkasten. Man unterscheidet Höhlenbrüter, Halbhöhlenbrüter und Freibrüter. Baupläne sind online recherchierbar.
Achten Sie beim Ausbringen des Kastens auf die korrekte Technik: Ausrichtung nach Süden oder Südosten, in ausreichender Höhe.
Gebäudebrüter wie Spatzen, Schwalben oder Mauersegler haben spezifische Anforderungen (Naturweltasbl.lu)
Das Brutplatzangebot sollte durch ein gutes Nahrungsangebot ergänzt werden: Achten Sie bei Neupflanzungen auf ein über das ganze Jahr bestehendes Blüh- und/oder Fruchtangebot und lassen Sie verblühte Wildstauden über den Winter stehen. Dies bietet Winterquartiere für Insekten und damit Nahrung für Vögel.
Haben Sie Platz für Wasserflächen oder zumindest Trinkstellen für Vögel?
Vermeiden Sie Fallen oder Hindernisse, die mitunter tödlich sein können (siehe untenstehende Infobox).
Fledermäuse
Auch für Fledermäuse können Kästen angebracht werden (Flachkästen, Rundkästen), meist genügen Tagesquartiere.
Bei Neubau- und Umbaumaßnahmen können auch (integrierte) „Lösungen unter Putz“ umgesetzt werden.
Achten Sie bei Zäunen darauf, dass sie für Kleinsäuger, wie zum Beispiel Igel, passierbar sind (z.B. 15 cm aufgeständert, größere Maschenweiten).
Spezielle Kästen oder liegen gelassene Laubhaufen bieten Igeln Überwinterungsmöglichkeiten. Baupläne für Kästen sind online recherchierbar.
Amphibien und Reptilien profitieren von Wasserflächen oder Sonnenplätzen. Steinhaufen bieten Versteck und Überwinterungsmöglichkeiten.
Vermeiden Sie Fallen oder Hindernisse, die mitunter tödlich sein können (siehe untenstehende Infobox).
Insekten
Auch kleine „Insektenhotels“ stellen Lebensraum zur Verfügung. Achten Sie aber auch auf eine fachlich korrekte Ausgestaltung und kombinieren Sie dies mit einem ausreichenden Blütenangebot.
Die meisten Wildbienen sind bodenbrütend und benötigen offene, sandige Bodenstellen. Legen Sie ggf. sogenannte „Sandarien“ an, evtl. ergänzt umstehende Holzstämme.
Artenschutz auf Betriebsarealen – Vermeidung von Fallen und Hindernissen für Tiere
Artenschutz ist nicht nur Schaffung neuer Lebensräume, auch der Bestand kann optimiert werden:
Vermeidung von Glasflächen, die für Vögel tödlich sein können, durch den Einsatz von gemusterten Folien oder Außenjalousien.
Vermeidung von Fallenwirkungen von Kanälen oder Schächten durch Abdeckungen oder Gitter geeigneter Größe.
Installation von Kletterhilfen bei nicht-vermeidbaren Fallen (wie z.B. Ablaufschächte, Kanaleinlässe).
Nachverfolgung bzw. „nach der Durchführung“
Beobachten Sie die neuen Strukturen und dokumentieren Sie die tatsächliche Nutzung durch die geförderten Arten.
Dokumentieren Sie mittels Fotos die Entwicklung der Artenvielfalt und Kommunizieren Sie die entsprechenden Erfolge ihres „Trittsteinbiotops“ nach innen (Belegschaft) und nach außen (Kunden, Gemeinde).